Wie wichtig ist Perfektion?

15. Februar 2016 4 Von Ronja

Heutegeht es hier mal etwas textlastiger zu – es geht um ein Thema das mich schon länger beschäftigt: Das Streben nach Perfektion.

Logischerweise wollen wir immer, dass alles, was wir machen, möglichst perfekt wird. In allen Bereichen des Lebens, vor allem in den Dingen, die wir auch gerne tun, die uns wichtig sind, in denen wir vielleicht sowieso schon gut sind. Aber manchmal kann einem der Anspruch, immer etwas Vollkommenes zu schaffen, auch etwas kaputt machen und die Freude daran nehmen.

Gerade als ich mit dem Nähen begonnen habe, war ich unglaublich perfektionistisch. Eine einzelne schiefe Naht konnte mich manchmal dazu bringen, ein ganzes Projekt in die Ecke zu pfeffern und an mir zu zweifeln (das hat mich sogar zeitweise meine Nähmaschine komplett ignorieren lassen).
Mittlerweile weiß ich natürlich das die ein oder andere krumme Naht dazugehört und wenn es wirklich nicht gut aussieht, habe ich immernoch meinen Nahttrenner. Die Erfahrung hat mich aber auch gelehrt, dass andere vermeintliche Fehler oft gar nicht wahrnehmen, während man selbst nichts anderes sieht.

Auch jetzt kommt es noch vor, dass ich Angefangenes zur Seite lege, weil mir etwas daran nicht gut genug ist, aber meine Einstellung dazu ist anders geworden – ich versinke deswegen nicht mehr gleich in Selbstzweifeln.

Wenn ich für andere nähe, ist der Perfektionsanspruch natürlich immer noch sehr hoch, das wird wohl bei jedem so sein und sich auch nicht ändern. Für mich selbst kann ich mittlerweile aber auch mal Fünfe gerade sein lassen und Selbstgenähtes sieht dann manchmal halt wirklich nach „selbstgenäht“ aus.
Das heißt nicht, dass ich nicht weiter an mir arbeite, es nimmt mir nur den Druck und das ist gut.

Vor ein paar Wochen habe ich eine große Tasche genäht, in der ich künftig auch mal meine Nähmaschine und Zubehör transportieren will. Von Anfang an war das ein ganz improvisiertes Teil. Der Schnitt war selbst konstruiert und die Materialien hab ich aus dem Fundus genommen, sogar eine alte Jeans verwertet. Ich wollte gar nicht unbedingt alles super durchgestylt und perfekt machen, quasi ein Prototyp.
Und dabei hab ich gemerkt, dass mir das Nähen wieder super viel Spaß gemacht hat, weil ich einfach das getan habe, was mich überhaupt zum Nähen gebracht hat: Sachen nach meinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen nähen, an eigenen Schnitten tüfteln und neues ausprobieren.
Meine „eigentlich Prototyp-Tasche“ gefällt mir jetzt übrigens ausgesprochen gut und sie hat sich auf alle Fälle ihren eigenen Blogpost verdient, allerdings fehlen noch zwei Kleinigkeiten, dann wird sie auch gezeigt ;)

Was ist der perfekte Blog?

Von Beginn an habe ich gewusst, dass ich hier hauptsächlich von mir Genähtes zeigen möchte und von mir Genähtes ist nicht immer gerade und das darf auch so sein und ich würde lügen wenn ich sage, dass ich die ein oder andere Macke nicht schon durch geschickte Positionierung auf den Fotos versteckt habe (wer zeigt nicht lieber die Schokoladenseite?), aber grundsätzlich zeige ich auch meine schiefen Nähte, krumme Täschchen oder andere Fehler, die mir beim Nähen unterlaufen und das finde ich sogar wichtig. 
Warum?
Weil ich als Nähanfänger selbst oft eingeschüchtert war, von dem, was ich auf selbsternannten Nähanfänger-Blogs so zu sehen bekommen habe. Ich möchte dadurch auch alle sehen lassen, dass ich nicht perfekt bin und immernoch Fehler mache, selbst wenn ich einen Schnitt schon mehrfach genäht habe – oft genug die gleichen. Es kann wirklich ermutigend sein, zu sehen, dass andere auch nicht immer alles auf Anhieb perfekt machen. Oder manchmal einfach schusselig sind. Wie ich.

Und um hier bei so viel Text alles mal etwas aufzulockern und zu zeigen, was ich wirklich schon schlechtes fabriziert habe (keine leeren Worte!), gibt es hier heute ein paar meiner sonst so gut versteckten Anfängerprojekte zu sehen (und was mir im Laufe der Zeit noch so misslungen ist  – Lachen ist erlaubt) ;)
 

Zur Erklärung: Das ist eins meiner vielen Labello-Täschchen, bei denen ich vergessen habe, die Lasche für den Schlüsselring oder Karabiner mit einzunähen. Ziemlich nutzlos so ;)

Natürlich stammen die meisten der hier gezeigten Beispiele aus meinen ganz frühen Anfängen, aber ein paar sind doch recht aktuell. Und es juckt mich jetzt in den Fingern, für all die Fehler Rechtfertigungen und Erklärungen zu geben, aber genau das will ich heute ja gar nicht.

Genauso haben mich immer die Fotos beschäftigt, die ich hier auf meinem Blog zeige.
Ich besitze keine tolle Ausrüstung und oft fehlt mir einfach der Platz, das richtige Licht und vor allem auch die Geduld, um toll ausgeleuchtete, hochauflösende und perfekt arrangierte Fotos zu machen. Was ich aber besitze sind Grundkenntnisse, und mit denen versuche ich das Beste daraus zu machen. Meine Bilder passen sicher nicht in Magazine, aber sie zeigen, was ich gemacht habe und ich bemühe mich immer, möglichst aussagekräftige Fotos von meinen Werken oder Arbeitsschritten zu zeigen. Nicht immer gelingt mir das – manchmal sind die Umstände einfach nicht optimal oder ich habe keine Lust stundenlang Dinge für den Bildaufbau zu arrangieren. Mein Blog ist kein Business, meine Bilder müssen nicht perfekt sein. Klar, ich will mich dennoch verbessern, aber ich werde nicht von heute auf morgen die tollsten Bilder machen, also kein Druck ;)

Und immer die interessantesten, informativsten, unterhaltsamsten Texte schreiben? Kann ich nicht. Ich bin oft die letzte die auf einen Trendzug aufpringt, bin nicht immer über die aktuellsten Themen der Näh(blogger)welt auf dem Laufenden oder habe ganz einfach keine Lust auf das, was gerade angesagt ist.
Manchmal fehlen mir auch die Worte, und ganz bestimmt bin ich auch nicht immer so charmant, witzig und geistreich, wie ich gern wäre. Trotzdem erzähle ich gerne von dem, was ich gemacht habe oder woran ich arbeite, teile Erfahrungen oder gebe Tipps.

Mein Blog ist nicht hochprofessionell – weder vom Design, den Bildern oder Texten, ganz zu schweigen von den Werken die ich hier ab und an zeige – aber ich führe ihn auf einem Level, das mir Spaß macht und er repräsentiert ein Stück von mir und dem was ich mache.
Und darum geht es doch, oder?