Vogelfrei

Vogelfrei

27. September 2018 5 Von Ronja

Jetzt, wo es so langsam so richtig herbstlich wird, fehlt noch ein wenig warme Kleidung im Schrank. So Basicteile, die zu allem passen. Ist zwar irgendwie langweilig, braucht der Mensch aber. Und als bekennendes Kleidermädchen liegt da ja nichts näher, als ein Langarmkleid zu nähen.

Um es nicht zu lang zu machen: Ich bin auf den Schnitt „Vogelfrei“ von der wilden Matrossel gestoßen und habe mich ganz schnell dafür entschieden. Weil erstens: Es gibt nur ein Schnittteil, das heißt wenig Seiten drucken und kleben. Zweitens: Es gibt nur ein Schnittteil, heißt keine Ärmel einsetzen. Man ist ja auch irgendwie faul.

Glücklicherweise hab ich ja nun schon ein paar Kleider genäht und geahnt, dass der Schnitt aufgrund seiner Einfachheit auch Nachteile haben muss. Wenn es so einfach ginge, würde sich ja niemand mehr die Mühe machen, Ärmel seperat auszuschneiden und anzunähen. Also erstmal einen ganz schlichten Stoff dafür ausgesucht, um den ich nicht geweint hätte. Eine Art Sweat mit hohem Viskose-Anteil, recht fest und trotzdem weich, durchaus elastisch. Die genaue Zusammensetzung weiß ich leider nicht mehr.

 

 

Das Kleid „Vogelfrei“ besteht also aus zwei identischen Schnitteilen für vorne und hinten, bzw. drei Schnitteilen, wenn man wie ich das Rückteil nicht im Bruch zuschneidet. Ich mag die geteilte Optik so gern und gerade bei einem schlichten Stoff komm die auch gut zur Geltung. Die Ärmel sind komplett überschnitten, also direkt mit dem Körperteil verbunden.

 

 

Wenn man in Besitz einer Overlock Maschine ist, ist das Kleid wahrscheinlich in maximal einer Stunde fertig. Ich habe ein wenig länger gebraucht, weil ich ganz gewissenhaft alle Strecken mit dem Overlockstich meiner Nähmaschine genäht und zusätzlich noch die Schnittkannten an Halsausschnitt, Ärmeln und Saum damit versäubert habe. Das dauert einfach ewig. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das sinnvoller ist als mit dem Zickzack- oder einem anderen dehnbaren Stich zu nähen, aber es sieht definitiv ordentlicher aus und gibt mir das Gefühl, dass mein Kleidungsstück auch nach der Wäsche sicher noch ganz sein wird.

Durch die überschnittenen Ärmel wirft das Kleid im Achsel- und Brustbereich eine leichte Falte, worüber ich noch wegsehen kann. Vielleicht ist die auch ein bisschen Einbildung. Bei selbstgenähter Kleidung suche ich fast schon die Fehler.  Störend finde ich allerdings, dass die Ärmel wenig dehnbar sind. Aufgrund der Schnittführung werden die Ärmel ja nicht senkrecht im Fadenlauf, sondern diagonal dazu zugeschnitten, was sich bei meinem Stoff schon stark bemerkbar macht. Ich schiebe gerne mal die Ärmel hoch (z.B. beim Geschirr spülen), das geht nicht mehr so einfach. Auch an den Ellenbogen merke ich beim Beugen ein ganz ganz leichtes Spannen.

 

 

Genäht habe ich nach Maßtabelle in Größe 38, da liege ich noch knapp innerhalb der angegebenen Werte. Um Brust und Taille sitzt das Kleid auch toll. Die Ärmel sind etwas eng. Da ich das Problem aber generell öfter mal habe, habe ich anscheinend einfach überdurchschnittlich kräftige Arme. Im Lookbook zum Schnitt kann man erkennen, dass die Ärmel bei den Näherinnen gar nicht so eng sitzen. In der Anleitung wird auch von der Verwendung „zu stabiler Stoffe“ abgeraten, vielleicht liegt eher da der Fehler.
Der Schnitt ist für eine Größe von 1,70m ausgelegt, was ziemlich genau meiner Körpergröße entspricht. In ganz kurzen Kleidern und Röcken fühle ich mich aber meistens unwohl – ich muss mich frei bewegen können ohne zu zuppeln, deswegen gab es am Saum noch ein paar extra Zentimeter.

 

 

Da das Kleid wirklich super schlicht ist, werde ich es wahrscheinlich meistens mit Gürtel oder Jack drüber tragen, Das ist irgendwie so ein Kombiteil. Aber auch die braucht man im Kleiderschrank.

 

 

Alles in allem ist das ein schöner Basic Schnitt, der superschnell genäht ist. Die etwas weitere Form und der Rock gefallen mir auch sehr, aber aufgrund der nicht dehnbaren Ärmel wird es wohl das einzige „Vogelfrei“ Kleid für mich bleiben.

 

Schnitt: Freebook „Vogelfrei“ von Die wilde Matrossel
Stoff: aus dem örtlichen Stoffladen, die genaue Bezeichnung weiß ich leider nicht
Verlinkt: Du für dich, Sew La La