Kleid Tuva aus Flanell

Kleid Tuva aus Flanell

29. November 2018 14 Von Ronja

[Werbung, Designnähen für Kreativlabor Berlin]

Das schöne am Nähen ist ja, dass man Sachen genau so machen kann, wie sie im Kopf sind. Nagut, es gibt Grenzen. Aber ich kann schon ziemlich viel so umsetzen, wie ich es mir vorstelle. Was ich nicht weiß, kann ich in den Weiten des Internets nachlesen, über Ebooks oder einzelne kleine Tutorials Kniffe und Techniken lernen oder ich probiere einfach aus. Zum Beispiel, ob ein Sommerkleid auch wintertauglich sein kann. Kann es.

Das Schnittmuster Tuva von Kreativlabor Berlin trifft genau meinen Geschmack: Figurbetontes Oberteil, ausgestellter Rock, Taschen und Knopfleiste! Und es ist aus Webware!

 

 

Ganz ehrlich – das Nähen hat mir selten so viel Spaß gemacht wie hier. Das Kleid ist natürlich sehr viel aufwändiger zu nähen als zum Beispiel die Else, die ich ja immer wieder gern nähe, aber es ist auch viel spannender und befriedigender zu sehen, wie sich die Teile aneinanderfügen und am Ende so ein Kleidungsstück dabei herauskommt. Das ganze Bügeln und versäubern der Nähte, die ganzen kleinen Schritte brauche ich, um in so einen meditativen Nähzustand zu verfallen. Da versinke ich einfach in der Arbeit und kann total entspannen. Hört sich das komisch an?

Um das Kleid auch für kühlere Temperaturen tauglich zu machen, habe ich es aus ganz weichem Flanell genäht. Der ist wirklich richtig weich. Ich wusste bis dahin nicht, dass ein reiner Baumwollstoff so unglaublich kuschlig sein kann.
Der Materialverbrauch für das Kleid ist mit 1,70m angegeben, bei 140 cm Stoffbreite. Ich hab mir dann mal großzügige 1,80 m von dem tollen Stoff bestellt, nur um hinterher zu bemerken, dass der Stoff nur 115 cm breit liegt. Einen Tag hab ich mich geärgert, aber als der Stoff ankam und ich alle Teile aufgelegt hatte, passte alles drauf (in Größe 38).Ihr glaubt nicht, wie erleichtert ich war! Durch die Wiener Nähte im Oberteil kann man die Schnittteile schön platzsparend auf dem Stoff platzieren. Und ich habe tatsächlich noch ein paar Stücke übrig, die für eine Tasche reichen könnten.

Die Armausschnitte habe ich mit einem Streifen Schrägband innen versäubert, weil ich kein farblich passendes hatte. Das gefällt mir sowieso besser, als den Armausschnitt einzufassen, und war auch nicht schwer. Einfach drauf los, klappte gut. Die Belegstücke habe ich aus einem hübschen Cotton & Steel Stoff genäht. Von dem hatte ich nur einen Fat Quarter, den ich seit Monaten für das passende Projekt aufgespart habe.

 

 

Die Taschen habe ich ebenfalls mit diesem Stoff gefüttert. Auch wenn das außer mir niemand sehen wird, bin ich sehr verliebt in das Detail. Sind die winzigen Scheren nicht klasse?

 

 

 

Obwohl ich total begeistert vom Kleid bin, darf ein bisschen Murks nicht fehlen. Kennt ihr so Momente, in denen etwas einfach nicht passen oder funktionieren will? Und ihr macht einfach weiter, weil euch euer Vorgehen völlig logisch erscheint und ihr keinnen Moment an dessen Richtigkeit zweifelt? Ich hatte diesen Moment ganz zum Schluss, beim Nähen der Knopflöcher. Da hab ich die Knopflöcher einfach lustig drauf los waagerecht genäht. Das war ganz schön eng. Sehr. Ich war schon irritiert und hab auch nochmal mein Schnitteil und das Schnittmuster nachgemessen, in die Anleitung geschaut um zu kontrollieren, ob ich beim Nähen der Knopfleiste was falsch gemacht habe. Nö, passte alles. Fand ich schon komisch, das hätte ja spätestens den Probenäherinnen auffallen müssen, wenn da was zu knapp ist. Meine Knöpfe sind so groß nicht.
Hätte ich nochmal die Stelle der Anleitung, wo die Knopflöcher genäht werden gelesen, hätte ich dort auch ziemlich aussagekräftige Bilder bestaunen können. So mit senkrecht markierten Knopflöchern. Aber nö. Also weiter Knopflöcher genäht, geflucht, getrennt, neu genäht. Irgendwann war ich fertig. Fühlte sich beim Zuknöpfen auch umständlich an, aber ich kam wirklich nicht drauf.

Und dann – vier Tage später – lag ich nachts wach im Bett und es fiel mir einfach ein: Die Knopflöcher müssen senkrecht drauf! Verspätete Erleuchtung. Ich  habe schon Knopfleisten und Knopflöcher genäht. Was auch immer mich da geritten hat, ich weiß es nicht. Ein bisschen ärgere ich mich schon, der Rock würde wahrscheinlich schöner fallen mit senkrechten Knopflöchern. Trotzdem mag ich das Kleid sehr. Und das passiert mir hoffentlich kein zweites Mal.

 

 

Das Kleid trage ich gern mit Ringelshirt drunter oder einer Strickjacke drüber. Dazu ein schönes Tuch und ich bin angezogen. Weil der Rock so weit geschnitten ist, klettert er auch nicht an der Strickstrumpfhose hoch, das passiert je nach Schnitt und Material im Winter ja gerne mal. Auf den Bildern sieht man glaub ich ganz gut, dass ich die Taschen wirklich mag. Die laden so richtig schön dazu ein, die Hände reinzustecken.

 

Habt einen schönen Tag!

Schnitt: Kleid „Tuva“ von Kreativlabor Berlin (wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt)
Stoff: Shetland Flannel Fischgrät in der Farbe Ocean von Frau Tulpe,  Taschenfutter aus der Cotton & Steel Paper Cuts Serie
Verlinkt: Du für Dich, Sew La La