Ja, das bringt was. Nähen macht glücklich.

19. September 2017 17 Von Ronja

Oder allgemeiner: Selbermachen macht glücklich. 
Manchmal werde ich gefragt, warum ich so viel nähe. Ob ich das denn alles brauche. Bringt das was? 

Ja, das bringt was. Mir bringt das was. Nicht immer das fertige Produkt, aber die Arbeit daran. Wenn ich mich mit meinen Stoff- und Nähprojekten beschäftigen kann, bin ich glücklich, entspannt, kann alles andere vergessen. Aus ein paar Minuten werden manchmal Stunden und wenn ich mal zu spät zu einer Verabredung komme (selten!), dann nur, weil ich mich beim Nähen vertrödelt habe, die Zeit vergessen, schnell noch was fast fertig gemacht und oh, plötzlich ist es schon so spät und ich sollte mir vielleicht mal die Haare kämmen und schnell die Schuhe suchen. Und dann erzähle ich von dem was ich mache, welche Fehler ich gemacht und was ich gelernt habe, welche Ideen mir gekommen sind oder welche Technik ich noch ausprobieren will. Manchmal nickt die Person mir gegenüber freundlich und schaut dabei mäßig interessiert und irgendwann fällt mir dann ein, dass das zwar meine Begeisterung ist, diese in meinem Umfeld aber nur sehr wenige nachvollziehen können.

„Lohnt sich das?/Verdienst du damit Geld?/Verkauft sich sowas überhaupt?“, werde ich oft gefragt. Ja, das lohnt sich. Aus oben genannten Gründen einfach. Ja, gelegentlich habe ich auch mal Auftragsnäharbeiten bei denen ein paar Euro rumkommen, aber die fließen dann ja doch wieder in die Nähkasse. Verdienen tue ich damit also gar nichts. 

Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass vieles von dem was ich nähe, am Ende keinen bestimmten Zweck erfüllt. Ich habe zwei große Boxen, in denen ich gesammeltes Nähwerk aufbewahre. Manches davon findet schnell neue Besitzer, vieles aber nicht. 
Mein Nähpensum kann ich also auf gar keinen Fall mit meinem Taschenbedarf rechtfertigen, aber seit wann muss man sein Hobby rechtfertigen? Der eine sammelt Briefmarken, ein anderer ist regelmäßiger Kinogänger oder Hobbykoch. Da fragt ja auch keiner, ob sich das lohnt. Und was sich auch lohnt, sind die anderen. Die anderen Näherinnen, Handarbeiterinnen und Schreiberinnen bei denen es so viel zu sehen gibt, so viel zu lernen und immer ein paar nette Worte am Rande.

 
Meistens habe ich die Zeit dafür, viele meiner Ideen auch umzusetzen und wenn ich sie mal nicht habe, fehlt mir das sehr schnell. Ich liebe es, immer wieder dazuzulernen, neue Techniken auszuprobieren, verschiedene Materialien zu verarbeiten und zu gestalten. Inspiration dafür kommt von überall. Pinterest ist wahrscheinlich die größte Inspirationsquelle, Ideensammlung. Aber auch auf zahlreichen Blogs, im Alltag oder beim durch die Stadt schlendern, Augen offen halten und Menschen beobachten kann man so viele Eindrücke sammeln. 

Seit ich nähen gelernt habe, hat sich mein Blick verändert. Ich nehme viel mehr wahr. Materialien, Formen, Muster. Natürlich im textilen Bereich, aber auch sonst. Alles, was mich umgibt. Ich mag ja nicht nur Stoff, auch wenn einige das sicher vermuten würden. Ich freue mich immernoch über ein schön gestaltetes CD-Cover, die ersten Kastanien, tolle Postkarten, fantasievoll illustrierte Kinderbücher oder andere Schönigkeiten meiner Umwelt.  

Auf den Bildern, die ich in den Aufsatz gestreut habe, ist übrigens mein neustes Nähwerk – ein kleines Täschchen aus den Resten einer größeren Tasche. In den letzten beiden Wochen hatte ich nicht so viel Zeit zum Bloggen und Fotografieren, genäht habe ich aber trotzdem viel in den freien Stunden. Jetzt muss ich nur nach und nach alles fotografieren(lassen), wenn das Wetter mitspielt. 

 
Der Libellenstoff ist (bevor einer fragt) ein Geschirrtuch gewesen, dass viel zu schön und viel zu teuer für ein Geschirrtuch war, aber auf gar keinen Fall im Laden bleiben konnte. Genau wie seine Schwester mit den Fischen. Das süße Label vom Geschirrtuch habe ich mit eingenäht, weil es farblich einfach perfekt passt, finde ich.

Und damit mache ich mich jetzt auf den Weg zum Creadienstag und HoT.