Ich näh‘ mir einen Rucksack – „Roana“

Ich näh‘ mir einen Rucksack – „Roana“

25. September 2018 8 Von Ronja

[Werbung, Probenähen]

Für dieses Jahr hatte ich mir unter anderem vorgenommen, endlich einen Rucksack zu nähen. Mit der Elsbag hatte ich den Punkt für mich schon mehr oder weniger abgehakt, eine Tasche mit Rucksackfunktion. Ist zwar ein bisschen geschummelt, aber wer schummelt denn nicht manchmal? Jetzt kann ich aber zu meiner eigenen Zufriedenheit sagen: Ich habe mir einen Rucksack genäht. Check.

Das war so ein Mammutprojekt, vor dem ich schon Respekt hatte und wäre es nicht im Rahmen eines Probenähens gewesen, hätte ich den Rucksack sicher nicht so bald genäht. Genau genommen, wollte ich den Rucksack zunächst nichtmal probenähen. Aber eine liebe Nähkollegin hat mich angestupst, sodass ich mich letztlich doch noch beworben habe und schwups, war ich im Team.

Das Ebook ist nun schon ein paar Tage online und sicher wisst ihr schon alles, die Neuigkeiten haben sich in den sozialen Netzwerken diesmal wie ein Lauffeuer verbreitet. Trotzdem von mir nochmal viel zu viele Worte zu „Roana“, dem neuen Schnitt von Hansedelli.

 

Der Rucksack

Unschwer zu erkennen, „Roana“ hat eine sehr klassische Rucksackform. Erinnert an die Schulrucksäcke aus späteren Jahren. Außen kann der Rucksack sehr schlicht und sportlich gestaltet werden, zum Beispiel durch einfarbige Stoffe oder indem man auf die Teilung verzichtet. Innen gibt es eine Vielzahl von Fächern, die natürlich alle optional sind. Für das Probenähen habe ich erstmal alle genäht und kann jetzt sagen, welche davon ich wirklich praktisch und sinnvoll finde und auf welche ich für mich persönlich verzichten kann.

Sehr elegant gelöst finde ich das äußere Reißverschlussfach, das sich hinter der Blende verbirgt. Ein Außenfach für schnellen Zugriff mag ich auch immer ganz gerne, das würde ich in jedem Fall wieder nähen. Auch auf der Rückseite kann optional ein kleines Fach genäht werden. Ob ich das wirklich benötige, weiß ich noch nicht, aber da es nicht schadet, kommt auch das beim nächsten Mal dorthin.

Im Inneren lassen sich noch eine ganze Reihe Fächer integrieren: Tabletfach (auch passend für Laptops bis 13″), verschiedene Steckfächer, Flaschenfächer mit Gummizug an den inneren Seiten und ein Netzfach mit Reißverschluss. Letzteres ist definitiv mein Favorit und wird sicher auch in andere Taschen integriert werden. Leider habe ich vom Innenleben keine wirklich aussagekräftigen Fotos gemacht, da schaut ihr vielleicht lieber mal ins Lookbook für „Roana“. Alle Links findet ihr am Ende des Beitrags.

 

Durch den Zwei-Wege-Reißverschluss und die weite Öffnung hat man guten Einblick und Zugriff, dabei wird das Rückenteil etwas zurückgeklappt. Durch ganz viel Verstärkung ist der Rucksack auch ungefüllt super formstabil und fällt nicht um oder in sich zusammen. Das Rückenteil wird mit kaschiertem Schaumstoff gepolstert, so dass da auch nichts in den Rücken pieksen kann. Sowieso ist der Rucksack super bequem zu tragen, was auch an den eher kompakten Maßen (H40cm x B25cm x T12cm) liegen kann. Die Träger sind gepolstert und wie klassische Rucksackträger konzipert. Durch die Spannschnallen kann theoretisch auch einhändig die Trägerlänge reguliert werden. Da ich aber etwas dickeres Baumwollgurtband verwendet habe, muss ich zumindest beim Verlängern mit der anderen Hand etwas nachhelfen.

 

Das Nähen

Obwohl, wie bei allen Hansedelli Ebooks, die komplette Anleitung sehr anschaulich und ausführlich gehalten ist und mehrere hundert Fotos auch knifflige Stellen toll und verständlich darstellen, ist „Roana“ wirklich wirklich wirklich kein Anfängerprojekt. Wirklich. Ich möchte niemandem Angst machen, der den Rucksack gerne nähen möchte, aber wer dieses Projekt unterschätzt, wird schnell frustriert sein.

Die Durchschnittliche Nähzeit im Probenähteam lag bei 12 bis 15 Stunden pro Rucksack, das kam auch für mich gut hin. Gelegentliches Nähte auftrennen aber schon inklusive ;)
Wenn man der Anleitung wirklich Schritt für Schritt folgt, konzentriert und genau arbeitet, kann gar nicht so viel schief gehen. Ich sage ja immer wieder gerne, dass jedes noch so schwere Projekt lezten Endes auch nur aus einer Naht nach der anderen besteht. So auch hier.

Das Schwierigste sind hier wahrscheinlich die häufig dickeren Lagen, die Stellenweise zustandekommen. Für diesen Rucksack solltet ihr auf jeden Fall einen Teflonfuß oder Obertransport an eurer Nähmaschine haben. Kurz vor Schluss werdet ihr einfach einen Klumpen in den Händen halten. Keiner würde glauben, dass das mal einen Rucksack ergibt, nichtmal mit viel Fantasie. Diesen Klumpen zu nähen hat mich nicht nur Nerven, sondern auch wirklich körperliche Anstrengung gekostet, ich sag’s euch. Und dann ist da plötzlich der Rucksack und es ist ein bisschen wie Zauberei, was da entstanden ist.

Auch wenn das jetzt wenig ermutigend klingt, ist das ein machbares Projekt. Mein Rat: Nehmt euch Zeit, seid euch darüber im Klaren, dass das Nähen durchaus mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Näht in Ruhe und nur bei voller Konzetration. Wenn etwas nicht gleich funktioniert oder ihr vor einer schwierigen Stelle steht, legt den Rucksack ruhig erstmal zur Seite und näht etwas später wieder mit voller Konzentration weiter. Und vor allem: Stellt keinen der Schritte in der Anleitung in Frage. Macht, was da steht! Auch wenn es euch mal widersinnig erscheint. Am Ende wird alles gut, versprochen!

 

 

Hier geht es zum Lookbook.

 

Schnitt: Ebook „Roana“ von Hansedelli (wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt)
Stoffe: Vintage Kunstleder von Snaply, Kokka Tayutou Serie von Frau Tulpe
Zubehör: Spannschnallen und Baumwoll-Gurtband von Frau Tulpe, Reißverschlüsse von Pepelinchen
Verlinkt: Creadienstag